Nicole Hobiger-Klimes
© Karin Ahamer Photography
BusinessInterviews

Nicole Hobiger-Klimes: Klarheit statt Fremdsteuerung

Nicole Hobiger-Klimes zeigt, weshalb Veränderung oft nicht am Können scheitert, sondern an Angst, Gewohnheit und fehlender innerer Ruhe. Viele Menschen spüren längst, dass ihr aktueller Weg nicht mehr passt und bleiben trotzdem stehen.

Gerade Unternehmer und ambitionierte Menschen verlieren sich schnell im Außen, in Erwartungen und Dauerrauschen. Nicole Hobiger-Klimes erklärt im Interview, wie Stille wieder Klarheit schafft, Entscheidungen leichter werden und Erfolg ohne Selbstverlust möglich bleibt.

Nicole Hobiger-Klimes im Interview

Interview Nicole Hobiger-Klimes

© Jenia Symonds

Viele Menschen spüren den Wunsch nach Veränderung. Warum fällt es dennoch so schwer, den eigenen Weg zu gehen?

Weil Veränderung selten am Können scheitert, sondern am Nicht-Entscheiden und an der Angst vor Neuem.

Wir befinden uns in festgefahrenen Lebensbahnen, und obwohl wir spüren, dass etwas nicht mehr stimmt, halten uns unsichtbare Kräfte fest. Im Coaching nenne ich das den „verdeckten Gewinn“: Alles, was wir tun, hat einen Nutzen für uns, zum Beispiel Sicherheit, Zugehörigkeit oder Harmonie.

Wer zum Beispiel den Schritt in die Selbständigkeit wagt, verliert zunächst das fixe Gehalt, das vertraute Team oder die Teeküchengespräche. Und genau deshalb trauen wir uns den Traum oft nicht zu, obwohl es vielleicht unsere Berufung wäre.

Dazu kommt, dass viele Menschen stark im Außen orientiert sind. Sie hören Meinungen, Erwartungen, Bewertungen – aber sich selbst zu wenig. Den eigenen Weg zu gehen bedeutet jedoch, der inneren Stimme zu folgen. Und dafür braucht es Stille.

Auch unser Gehirn arbeitet gegen uns: Es liebt Routinen, weil sie energieeffizient sind. Veränderung wird neurologisch zunächst als Risiko bewertet. Die eigentliche Frage ist also nicht „Warum ist es schwer?“, sondern

Woran halte ich fest?

Welche Rolle spielen Achtsamkeit und Meditation für unternehmerische Entscheidungen?

Eine weit größere, als die meisten annehmen. Achtsamkeit und Meditation sind keine Wellness-Tools, sondern Instrumente der Selbstführung. Und gerade im unternehmerischen Kontext sind Menschen permanent gefordert, unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen.

Achtsamkeit reduziert dabei das innere Rauschen: Wenn zu viele Stimmen gleichzeitig sprechen und Angst, Druck sowie Erwartungen mitmischen, hilft uns die Achtsamkeit, Relevantes von Lautem zu trennen. Meditation stärkt die Fähigkeit, Ambivalenz auszuhalten, ohne vorschnell zu handeln.

Das klingt paradox, ist aber messbar: Wer sich bewusst einen Moment der Klarheit nimmt, entscheidet oft schneller und sinnstiftender.

Neurobiologisch gesehen ist Meditation ein Training der Selbstregulation. Sie verbessert den Fokus und reduziert impulsive Entscheidungen. In einer entspannten Grundhaltung fällt der innere Tunnelblick weg und man sieht das größere Bild, das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.

Wie können Unternehmer verhindern, dass Erfolg auf Kosten der eigenen Balance geht?

Indem sie sich ehrlich fragen, was Erfolg für sie wirklich bedeutet. Finanzieller Erfolg kann wunderbar sein und ermöglichen, zu geben, zu gestalten und andere zu unterstützen.

Andererseits kann er auch zum davongaloppierenden Pferd werden, wenn das Innenleben nicht Schritt hält. Erfolg, der einen von sich selbst entfernt, ist für mich kein echter Erfolg. Wer sich selbst dauerhaft übergeht und keine Pausen für Reflexion einplant, verliert langfristig Lebendigkeit und damit auch kreative Kraft.

Ohne bewusste Regeneration kippt jedes System. Dauerstress führt zu kognitiven Einbußen, schlechteren Entscheidungen und letztlich zu Erschöpfung. Balance ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Eine Frage, die ich im Coaching gern stelle: Wie möchte ich als 80-Jährige im Schaukelstuhl auf mein Leben zurückblicken – habe ich das Leben geführt, das ich wollte?

Nicole Hobiger-Klimes über innere Stärke

Zitat Nicole Hobiger-Klimes

© Karin Ahamer Photography

Sie verbinden Karriere Coaching mit persönlicher Entwicklung. Warum gehört beides zusammen?

Weil es nur ein Leben gibt. Die Idee, seine Persönlichkeit an der Bürotür abzugeben, ist nett gedacht, funktioniert aber nicht. Wer privat mit ungelösten Themen kämpft, trägt das in die Arbeit und es wirkt sich auf Risikobereitschaft, Konzentration und den Umgang mit dem Team aus.

Alles ist verbunden. Berufliche Herausforderungen sind immer auch persönliche Entwicklungsfelder. Denken Sie an jemanden, der zum ersten Mal in eine Führungsrolle kommt: Man lernt dabei enorm viel über sich selbst.

Denn Know-how allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie wir mit Kritik, Neuerungen und Komplexität umgehen. Das ist Persönlichkeitsarbeit. Das „höher, schneller, weiter“ mag oberflächlich wie Erfolg wirken, doch es hinterlässt oft innere Leere.

Welche ersten Schritte helfen Menschen, wieder mehr Klarheit über ihre eigenen Ziele zu gewinnen?

Klarheit entsteht nicht durch mehr Suchen, sondern durch Reduktion. Solange der Kopf voll ist, entsteht kein klares Ziel. Der erste Schritt ist daher, Raum zu schaffen. Weniger Input und Meinungen, dafür mehr Stille. Klarheit ist kein zusätzlicher Gedanke, sondern was übrigbleibt, wenn es stiller wird. Der zweite Schritt ist Ehrlichkeit vor Strategie.

Viele formulieren Ziele, die gut klingen, aber nicht tragen. Die entscheidende Frage ist unbequemer: Was will ich wirklich, auch wenn es nicht ins Bild passt, das andere von mir haben? Und drittens: kleine, echte Entscheidungen treffen. Denken schafft Orientierung – Klarheit entsteht im Handeln.

Auch der beste Plan wird erst durch konsequente Schritte wirksam. In meiner Erfahrung aus 15 Jahren Coaching kreist vieles um drei einfache Sätze, die auch mein Firmenslogan sind: Du bist. Du kannst. Du darfst.

Was empfehlen Sie, wenn jemand seine persönliche oder berufliche Entwicklung bewusst gestalten möchte und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Vor allem eine klare innere Haltung statt immer neuer Methoden. Entwicklung wird wirksam, wenn man weiß, wofür und wohin man sich entwickelt, nicht nur, wovon man wegwill.

Ich distanziere mich klar von vorgefertigten Tipps, denn jeder Mensch ist individuell. Konkret empfehle ich, mit einer ehrlichen Standortanalyse zu beginnen. Das kann ein Coaching-Gespräch sein oder eine geführte Meditation, die genau dafür gestaltet ist. Von da an kann es mit kleinen, regelmäßige Praktiken weitergehen.

Was wir wirklich brauchen ist, die Verantwortung vollständig zu übernehmen, mit Klarheit statt Druck zu arbeiten, bewusste Routinen zu etablieren und Entscheidungen zu treffen. Und letztlich Geduld mit der eigenen Tiefe zu haben sowie mutig zu agieren.

Entwicklung beginnt mit der Entscheidung, sich die passenden Fragen zu stellen und Veränderung beginnt durch Verständnis und bewusstes Hinsehen.

Der erste Schritt ist bei mir ein Gespräch. Kein 0815 „Programm“, sondern ein ehrlicher neutraler Blick darauf, wo du individuell stehst und was dich wirklich weiterbringt. Du darfst wieder du selbst werden, dein Gehirn braucht dafür die richtigen Bedingungen und dein Geist braucht Raum und Mitgefühl.

Klarheit entsteht durch mehr Bewusstheit.
Authentische Entscheidungen formen sich aus innerer Ruhe.
Und nachhaltiger Erfolg entsteht dort, wo Menschen mit sich selbst verbunden bleiben.

Wer eine persönliche oder berufliche Entwicklung wirklich bewusst gestalten möchte, braucht vor allem eines: Raum für sich und die passenden Impulse zur richtigen Zeit.

Genau dafür öffne ich Räume: in Coachings, Meditationen und Retreats. Räume, in denen Menschen wieder bei sich ankommen, klare Entscheidungen treffen und ihren eigenen Weg mit mehr Leichtigkeit gehen. Verankert in sich selbst. Und bereit für volle Kraft voraus.

  • Website
  • info@nicolehobigerklimes.at

Über Nicole Hobiger-Klimes

Ing. Mag. Nicole Hobiger-Klimes ist systemische Coachin, Unternehmensberaterin, Meditationsausbilderin und Leiterin von Silence-Retreats. Sie verkörpert Selbstführung und die transformative Kraft der Stille und inspiriert damit tausende Menschen. Ihren Weg prägen intensive Selbstexperimente wie Dunkelretreats und ‚Monk for a Month‘-Programme im Himalaya.

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