Dr. Roman Fleischhackl
© Xenia Bluhm
Interviews

Dr. Roman Fleischhackl löst Führungsbremsen

Dr. Roman Fleischhackl zeigt, warum Unternehmen selten an Strategie scheitern, sondern an unausgesprochenen Konflikten, fehlender Klarheit und Führung ohne echte Wirkung. Gerade unter Druck wird sichtbar, was im Alltag lange verdrängt wurde und plötzlich Wachstum, Zusammenarbeit und Entscheidungen blockiert.

Er erklärt, wie Unternehmer Konflikte produktiv nutzen, Veränderung wirksam umsetzen und Führung so gestalten, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Ein Interview für alle, die nicht länger Symptome bekämpfen wollen.

Interview mit Dr. Roman Fleischhackl

Interview Dr. Roman Fleischhackl

© Xenia Bluhm

Warum entstehen echte Entwicklungsschritte oft erst unter unternehmerischem Druck?

Echte Entwicklung entsteht nicht durch Druck – aber Druck macht sichtbar, wo Entwicklung notwendig ist.

In stabilen Phasen können Organisationen lange mit Unklarheiten leben: unklare Verantwortlichkeiten, unausgesprochene Konflikte oder Strategien, die im Alltag nicht wirklich wirksam sind. Solange die Ergebnisse stimmen, bleibt das oft unbearbeitet.

Typische Aussagen sind:

  • „Wir haben gerade andere Themen.“
    oder
  • „Es hat ja bisher auch gut funktioniert.“

Unternehmerischer Druck verändert diese Dynamik. Entscheidungen müssen getroffen werden, Zusammenarbeit wird intensiver und Führung wird sichtbar. Was vorher „irgendwie funktioniert hat“, reicht nicht mehr aus.

Dann rücken diese entscheidenden Fragen in den Mittelpunkt:

  • Gibt es Klarheit über Ziele und Prioritäten?
  • Funktioniert die Zusammenarbeit im Team – auch bereichsübergreifend?
  • Übernehmen Führungskräfte Verantwortung und geben Orientierung?

Druck wirkt wie ein Verstärker. Er bringt Themen an die Oberfläche, die lange vorhanden waren, aber nicht konsequent bearbeitet wurden.

Genau in diesen Momenten entstehen die größten Entwicklungsschritte – wenn Organisationen bereit sind, bewusster hinzuschauen und Führung, Zusammenarbeit und Entscheidungsprozesse so zu gestalten, dass sie auch unter Druck tragen.

Welche typischen Fehler machen Unternehmer*innen im Umgang mit Konflikten im Team oder im Business?

Der größte Fehler ist nicht, dass Konflikte entstehen, sondern dass sie ignoriert werden.

Ich höre häufig:

  • „Das wird sich schon wieder legen.“
  • „Die sollen das untereinander klären.“
  • „Die Leute sollen einfach ihre Arbeit tun.“

Das führt dazu, dass Konflikte nicht gelöst, sondern verlagert werden.

Sie zeigen sich indirekt: Kommunikation über Dritte, ausbleibendes Feedback, passiver Widerstand oder verdeckte Gegenbewegungen. Und genau dort beginnen sie teuer zu werden – durch Reibungsverluste, schlechte Abstimmung und Entscheidungen ohne echte Akzeptanz.

Ein zweiter Fehler ist, Konflikte zu schnell lösen zu wollen. Viele gehen sofort in den Lösungsmodus. Dabei wird übersehen: Konflikte sind selten reine Sachprobleme. Es geht um Erwartungen, Interessen und oft um unausgesprochene Themen.

Wenn diese Ebene fehlt, entstehen scheinbare Lösungen – oft in Form von faulen Kompromissen, die nicht tragen.

Ein dritter Punkt ist Klarheit. Konfliktlösung bedeutet nicht Harmonie, sondern Dinge anzusprechen, Verantwortung zu klären und Unterschiede sichtbar zu machen.

Dort, wo das gelingt, entstehen bessere Entscheidungen und echte Zusammenarbeit.

Was bedeutet für Sie authentische Führung im Alltag von Unternehmer*innen?

Authentische Führung wird oft missverstanden.

Es geht nicht darum, „einfach man selbst zu sein“, sondern darum, wie Führung im Alltag tatsächlich wirkt.

Ich arbeite hier mit einfachen Fragen:
Was ist Ihnen als Führungskraft wichtig? Wofür stehen Sie?
Die Antworten sind meist klar. Die entscheidende Frage ist:

Was tun Sie konkret im Alltag, um das sichtbar zu machen?

Hier entsteht oft Stille.

Denn zwischen Haltung und Verhalten liegt häufig eine Lücke. Führung wird nicht bewusst gestaltet, sondern passiert nebenbei – oft überlagert von inhaltlicher Arbeit.

Dann kommt der Satz:
„Dafür fehlt mir die Zeit – sonst bleibt die Arbeit liegen.“

Hier vermischen sich Facharbeit und Führungsverantwortung.

Ein weiterer und zentraler Hebel ist Vorbildwirkung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren sich weniger an Worten als am Verhalten:

  • Werden Entscheidungen wirklich gemeinsam getroffen – oder nur scheinbar?
  • Wird transparent kommuniziert?
  • Wie wird mit Fehlern umgegangen?
  • Wird eingehalten, was versprochen wurde?

Authentische Führung bedeutet auch, eigene Grenzen zu kennen.

Nicht alles lässt sich sofort verändern. Die eigenen Schwächen dosiert sichtbar zu machen, schafft Vertrauen – wenn es bewusst geschieht.

Authentische Führung entsteht dort, wo Klarheit, Selbstreflexion und konsequentes Handeln zusammenkommen.

Dr. Roman Fleischhackl macht Wirkung messbar

Zitat Dr. Roman Fleischhackl

© Xenia Bluhm

Warum scheitern strategische Veränderungen in Unternehmen trotz guter Planung so häufig?

Strategische Veränderungen scheitern selten an der Planung. Die Analyse ist meist gut, die Ziele klar – aber die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Der Grund liegt oft in der unterschätzten emotionalen Dimension.

Veränderung bedeutet Unsicherheit. Rollen verändern sich, Erwartungen werden neu definiert, und es entstehen Fragen wie:
Was bedeutet das für mich?

Wird diese Ebene nicht adressiert, entsteht Widerstand – oft subtil: Verzögerungen, fehlende Verbindlichkeit oder halbherzige Umsetzung.

Ein hilfreicher Ansatz sind die logischen Ebenen nach Robert Dilts. Veränderung wird umso anspruchsvoller, je stärker sie Werte, Überzeugungen oder Identität betrifft. Viele Initiativen bleiben auf der Verhaltensebene und greifen deshalb zu kurz.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist Beteiligung. Veränderung lässt sich nicht verordnen. „Betroffene zu Beteiligten machen“ ist ein entscheidender Hebel für Akzeptanz und Verantwortung.

Häufig fehlt die Übersetzung in den Alltag. Strategien bleiben abstrakt, wenn sie nicht konkret in Zusammenarbeit, Führung und tägliche Entscheidungen integriert werden.

Nachhaltige Unternehmensentwicklung entsteht dort, wo Strategie, Führung und Teamarbeit zusammenspielen.

Welche Rolle spielt Selbstreflexion für Unternehmer*innen in Wachstumsphasen?

Selbstreflexion wird mit wachsender Verantwortung entscheidend.

In kleineren und wachsenden Unternehmen wirkt die Persönlichkeit der Führung unmittelbar auf das Team. Aber auch in größeren Organisationen prägt sie Kultur und Entscheidungen.

Jede Führungskraft bringt Stärken und Schwächen mit. Selbstreflexion und ehrliches Feedback helfen, blinde Flecken zu erkennen und Führung bewusst zu gestalten.

Gleichzeitig braucht es Klarheit über die eigenen Grenzen. Weiterentwicklung kostet Energie und Zeit. Nicht alles lässt sich sofort verändern. Wirksame Führung entsteht dort, wo beides zusammenkommt: der Wille zur Entwicklung und eine realistische Selbsteinschätzung.

Das schafft Orientierung – für Führungskräfte und Teams.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmer*innen und wie kann man Sie kontaktieren?

Mein wichtigster Tipp: Schauen Sie ehrlich hin – besonders dort, wo es unbequem ist. Zum Beispiel bei Abgängen im Team.

Der erste Impuls ist oft, externe Gründe zu sehen. Doch genau hier lohnt sich eine zweite Betrachtung:
Gibt es Muster? Was hätte man selbst beeinflussen können?

Ähnlich im Markt:
Wiederkehrende Rückmeldungen wie „Das ist bei Ihnen kompliziert“ sind keine Nebensache – sondern Hinweise auf strukturelle Themen.

Entscheidend ist, Muster zu erkennen und strategisch zu bewerten.

Ein weiterer Punkt: Führungskräfteentwicklung ist kein Einzelereignis. Sie ist eine Lernreise aus Input, Anwendung, Feedback und Reflexion. Erst dadurch entsteht nachhaltige Wirkung im Alltag.

Ich begleite Unternehmen genau in diesen Prozessen – von strategischen Entscheidungen und Führungskräfteentwicklung über Teamentwicklung bis hin zur Konfliktlösung im Unternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter:
👉 Website

Über Dr. Roman Fleischhackl

Dr. Roman Fleischhackl begleitet Unternehmen und Führungskräfte in entscheidenden Entwicklungsphasen – von strategischer Ausrichtung bis zur Lösung von Konflikten im Team. Als systemischer Coach und Mediator verbindet er Führung, Zusammenarbeit und Umsetzung mit dem Ziel, Organisationen nachhaltig wirksamer zu machen.

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